Wie der Lübecker Kaufmann und Lichtplaner Martin Stratmann mit seiner Frau Dagmar sowie vielen Freunden und Gästen seine Träume lebt. Ein Porträt auch einer wunderbaren Landschaft. Eine Reise entlang der westlichen Ostseeküste und durch die angrenzenden Binnenreviere. Einen positiven Linssen-Infekt und den Drang, aufs Wasser zu kommen, ohne nass zu werden, hatten wir schon immer. Noch bevor wir unser Haus direkt am Fluss, der Trave, hier am Lübecker Altstadtrand fanden, dieses dann 3 Jahre lang sanierten und endlich im Mai 1994 bezogen, hatten wir bereits unser erstes Motorbötchen. Noch vor dem Einzug ins Haus kam ein arbeitsintensiver Motorsegler (Eiche auf Eiche) hinzu. Wasser hatten wir ja genug.

Als ich im Januar 2005 meinen 50. Geburtstag feierte und einige Freunde mir zum 45. gratulierten, wusste ich, O.K., da geht noch was.
Kurz zuvor hatte Linssen eine neue, kleinere Yacht, die Grand Sturdy 29.9, präsentiert. Im September 2005 fuhr ich mit meiner Frau zur „IJmuiden Boatshow“. Wir waren überwältigt und uns war klar, das ist unser Schiff.
Ohne eine AC-Version gesehen zu haben, bestellten wir im November auf der „Hanseboot“ in Hamburg unsere erste Linssen. Auf die Baunummer 2716 mussten wir nun bis zum April 2007 warten. Somit war genug Zeit, uns auf das Projekt „Charter an der Ostsee“ vorzubereiten und auch einen passenden Namen für das Schmuckstück zu finden.

Sento

“Sento“ (ital. „ich fühle“) war für Stratmanns eine sehr erfolgreiche Leuchte, ein Leuchtenkopf, heute in LED, seit über 10 Jahren ein Produkt höchster Begehrlichkeit. Was liegt näher, als eine Yacht mit ebensolchen Attributen nach einer Designerleuchte zu benennen.

Die künftige Geschäftssparte wurde nach einigen Meetings mit einem sehr kreativen Freund „mobiliar club + charter“ genannt. Der Name des Leuchtengeschäftes der Stratmanns „mobiliar licht + raum“ verband sich so mit dem neuen Projekt und „Sento“ zu einer echten Mobilie.

In Travemünde, Lübecks schönste Tochter genannt, beginnt die Ostsee: freie Fahrt nach Skandinavien und zum Baltikum. Im Frühsommer genießen wir hier die langen Sonnenstunden und die weißen Nächte. Von Lübeck nach Travemünde sind es mit dem Boot 2 Fahrstunden.
Von Travemünde aus führen die Törns entlang der schleswig-holsteinischen oder der mecklenburgischen Ostseeküste. Sehr beliebt ist der Törn „Rund Holstein“. Für ihn empfiehlt es sich, 2 Wochen einzuplanen, in der ersten Woche können in aller Ruhe die rund 70 Seemeilen auf der Ostsee bis zur Kieler Förde genossen werden.

Die Dänische Südsee

Die Dänische Südsee ist von Travemünde bei direktem Weg in nur einem langen Tagestörn zu erreichen. Die Bezeichnung „Dänische Südsee“ findet sich auf keiner Seekarte, gemeint ist die Inselwelt südlich der Insel Fünen und östlich der Insel Langeland. Zwischen Travemünde und Dänemark liegt 5 Motorstunden entfernt die schleswig-holsteinische Insel Fehmarn. Je nach Wetterlage geht es östlich an Fehmarn vorbei, quasi der Vogelfluglinie folgend, zu den Inseln Lolland und Falster.
Nach diesem etwa 3- bis 4-stündigen Törnabschnitt kann der sehr geschützte Guldborgsund zwischen den beiden Inseln weiter hinauf nach Norden gefahren werden.
Südlich der dänischen Hauptinsel Seeland hat der Skipper dann die Wahl, entweder nach Osten zur Insel Møn und in den Øresund oder Richtung Westen nach Langeland, Fünen und in die beliebte Dänische Südsee.

Polen

Mit der „Sento“ von Lübeck über Hannover, Bremen, Nordsee, Hamburg und Kiel nach Polen.
Unsere kleinste Yacht, die „Sento“, hat seit Sommer 2013 als Ausgangshafen die Marina Neuhof. Hier, gegenüber der Insel Rügen am Strelasund vor den Toren der wunderbaren Hansestadt Stralsund, hat die „Sento“ nach einer außergewöhnlichen Reise quer durch Norddeutschland ihren neuen Heimathafen gefunden.
Die „Sento“ hatte inzwischen 2 größere Schwestern bekommen, die „Tante“ und die „Missis Stördi“, und mit 3 Yachten war es bei uns am Bootshaus manchmal etwas beengt. Zudem hatten wir Lust, unser sehr großes Revier nicht nur von Lübeck aus zu bereisen. Der Abschiedstörn in Richtung Osten führte mit wechselnden Crews zunächst nach Süden und weit in den Westen bis zur Weser und über die Elbe und Hamburg zurück nach Lübeck.
Weitere Crews folgten und bereisten mit der „Sento“ die schleswig-holsteinische Ostseeküste bis hinauf zur Schlei. Über den Nord-Ostsee-Kanal (die meist befahrene künstliche Wasserstrasse der Welt) ging die Reise quer durch das Land zur Elbe und nach Hamburg. Von dort sind es bis Lübeck nur noch 2 bis 3 Tage.
Die Yacht war in dieser Saison durchgängig belegt und es ging gleich wieder auf die Ostsee und zur Elbe bis Cuxhaven und hinaus auf die Nordsee. Unbeschadet kam die „Sento“ nach Lübeck zurück und fuhr erneut den Törn „Rund Holstein“.
Erst Anfang August legte die „Sento“ zum letzten Mal an unserem Steg ab. Eine Crew aus Frankfurt hatte die Yacht für den gesamten August gechartert und bereiste die mecklenburgische Ostseeküste bis ins Oderhaff. Nach Umrundung der Insel Usedom, nach Fahrten auf der Peene, dem Haff und dem Boddengewässer erreichte die „Sento“ endlich den neuen Heimathafen, die Marina Neuhof.

Schweden

Ein Sommer in Schweden, eine Reise mit der „Tante Stördi“.
„Soweit nach Norden wie Sie möchten, nur bitte die Ostsee nicht verlassen“. So konkret war die Vereinbarung mit meinem Chartergast aus Alberta (Kanada).
Die nach Kanada ausgewanderte Familie wollte gerne die schwedische Ostseeküste befahren, um die Orte zu besuchen, welche sie in vielen Sommern zuvor mit der eigenen Segelyacht bereist hatten.
Oxelösund, etwa 120 km südwestlich von Stockholm, war das Ziel. Mitte Juni, nach 3-wöchiger Reise und rund 400 Seemeilen, kam unsere „Tante Stördi“ im Yachthafen von Oxelösund an. Mit unserem PKW benötigten wir lediglich 11 Stunden und nach gemeinsamer Nacht an Bord brachten wir unsere Vorgängercrew zum Flughafen, um dann selbst eine Woche an Bord zu bleiben.
Ziel dieser Sommerreise war der legendäre Göta-Kanal, das blaue Band Schwedens. Im Herbst zuvor wurde eine „Crewkette“ für total 4 Kanalfahrten sowie je eine Crew für die Hin- und Rücktour gebildet. Bis zum Eintreffen der ersten Kanalcrew erkundeten wir in einer einwöchigen Rundreise durch die Stockholmer Außenschären das Stadtgebiet und weiter hinauf den riesigen Mälarensee.
Ende Juni fuhr die erste Kanalcrew von der Ostsee hinüber zum Vänernsee. Insgesamt befuhr die Yacht viermal den Kanal.
Die Sommer in Schweden sind intensiv, jedoch endet die Saison bereits in der 2. Augusthälfte. Ab dem 20. August war die freie Fahrt auf dem Kanal vorbei. Ohne die vielen Saisonkräfte ist außerhalb der Saison die Fahrt nur im Konvoi und nach vorheriger Anmeldung möglich.
Am 21. August verließen wir den Kanal und fuhren entlang der Ostseeküste nach Süden. Wir mussten mit ansehen, wie die ersten Steganlagen abgebaut und eingewintert wurden. Über Göteborg wollten wir in diesem Sommer nicht zurück fahren, die Ostsee ist ruhiger und weitaus sanfter.

Vom Bodden und vom Haff nach Polen

Nirgendwo ist die deutsche Ostseeküste geborgener und vielfältiger als in der Region um Stralsund. Die westlich, südlich und östlich von Rügen gelegenen Fahrgebiete der Halbinsel Fischland-Darß sowie die Inseln Hiddensee und Usedom haben eines gemeinsam: endlose weiße Sandstrände auf der offenen Seeseite und geschützte Häfen auf der Binnenseite.
Diese teils sehr schmalen Inseln sind zu Fuß oder mit dem Rad leicht zu durchqueren und von den geschützten Häfen aus ist das reine Seeluftklima zu genießen.
Allerorten verwöhnt uns die Gastronomie mit frisch gebratenem oder geräuchertem Seefisch. Eine besondere Spezialität der Küstenregion ist der Sanddorn. Die Früchte dieser Dünen- und Küstenpflanze haben einen besonders hohen Vitamin-C-Gehalt und werden für allerlei Leckereien geerntet.
Die geschützten Achtergewässer dieser Ostseeregion werden Haff, Bodden oder auch Sunde genannt. Die flachen Gewässer lassen leicht vergessen, dass sie Teil eines Binnenmeeres, der Ostsee, sind.
Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ist das wichtigste Überwinterungsgebiet für Wasservögel im gesamten Ostseeraum. Die Darß-Zingster-Boddenkette und die Bodden westlich von Rügen sind ein Teil dieses zusammenhängenden Gebietes.
Besonders bekannt ist der Nationalpark für seine Kranichscharen. Den Höhepunkt bildet alljährlich der Herbst: Von September bis November ziehen rund 60.000 Kraniche durch und bleiben über mehrere Wochen.
Die Präsenz des Kranichs und das im Herbst noch warme Ostseewasser beschert dem Chartergast eine erlebnisreiche Saisonverlängerung bis weit in den Oktober hinein.

Lübeck, Stralsund und Ueckermünde

Von den drei Ausgangshäfen Lübeck, Stralsund und Ueckermünde aus werden Linssen-Yachten für die offene See angeboten. Die Bauart und Ausrüstung der Yachten gestattet die Fahrt jenseits der küstennahen 3-Meilen-Zone.
Von Ueckermünde oder Stralsund ist die Insel Bornholm und die Südküste Schwedens leicht zu erreichen.
Mit den etwas kleineren Yachten dürfen selbstverständlich die deutschen und polnischen Ostseeinseln umfahren werden und sind ebenso Törns in die angrenzenden Binnenreviere möglich. Schon mehrfach sind die Ostseeschiffe die große Runde über Oder und Elbe durchs Binnenland zurück zur Ostsee gefahren. Seeschiffe dürfen im Charter auch binnen fahren, jedoch dürfen Binnenschiffe nicht auf die See.
Egal wohin, die Gastlandflaggen von Dänemark, Polen und Schweden sind an Bord.


Fragen zum Revier:

Dürfen die Schiffe auf die Ostsee hinaus?

Ja, selbstverständlich, es gibt 2 Kategorien, Charteryachten für die küstennahe Fahrt (3 sm) oder Charteryachten für die offene See (30 sm).

Wohin kann man denn so fahren?

Von allen Ausgangshäfen sind Rundtörns möglich, teils unter Einbindung der Binnenreviere.

Welche Qualifikation wird benötigt?

Auf Yachten für die offene See besteht Funkpflicht, sonst genügt der Sportbootführerschein See.

Was ist die schönste Reisezeit?

Am schönsten ist der Hochsommer mit den kurzen Nächten. Im Herbst bietet das warme Ostseewasser relativ milde Tage. (60.000 Kraniche können nicht irren.)

Sind One-Way-Törns möglich?

Fast jede Saison bilden wir eine ‚Crew-Kette’, um größere Törns mit wechselnden Crews zu ermöglichen. In diesem Sommer gibt es noch Lücken zwischen Brandenburg und Lübeck.


INFORMATIONEN UND KONTAKT
Mobiliar Club und Charter
Martin Stratmann
Mobil: +49 171 8696291
www.club-und-charter.de

Text und Fotos Martin Stratmann

Publiziert in Linssen Magazine Nr. 47, April 2016